„Verwirrt nicht die Verwirrten“ - Pflege nach Böhm

In unserer Arbeit mit Demenzerkrankten orientieren wir uns an den Ideen Erwin Böhms. Der Wiener Professor ging davon aus, dass die Probleme psychisch auffälliger alter Menschen nicht organisch, sondern seelisch bedingt seien. Verwirrtheit und Desorientierung könnten aus der ganz persönlichen Lebensgeschichte jedes Einzelnen hergeleitet werden. Seine Forderung „Verwirrt nicht die Verwirrten!“ ist ein Apell zu einem ganzheitlich-positiven Umgang mit Erkrankten.

Was das konkret bedeutet? Hier ein Alltagsbeispiel: Eine Pflegerin wird von einer verwirrten Heimbewohnerin freudig umarmt und mit den Worten begrüßt: „Endlich kommst du mich besuchen, liebe Mutti! Werden wir heute zusammen Kuchen backen?“ Die junge Pflegerin löst sich aus der Umarmung und sagt: „Frau M., ich bin doch nicht ihre Mutti! Wenn Sie Appetit auf Kuchen haben, kann ich Ihnen welchen aus der Küche holen.“ Damit stellt sie die Lebenswirklichkeit der Bewohnerin infrage und bringt sie in seelische Bedrängnis. Schließlich befindet sich die Bewohnerin in ihrer Verwirrtheit auf der Zeitebene ihrer Kindheit, wo es für sie ein besonders schönes Erlebnis war, wenn sie gemeinsam mit ihrer Mutter Kuchen backen durfte. Die angemessen zugewandte Reaktion der Pflegerin wäre also gewesen, das Gefühl der Vorfreude und Geborgenheit zu bestärken und Frau M. „in ihrer Welt“ positiv verstärkend zu begleiten.

Lebensgeschichte als Wissensquelle

Möglich wird ein solch positiv verstärkender Umgang mit den Bewohnern, wenn man ihre Biografie kennt – Stationen ihrer Kindheit, familiäre Gegebenheiten, Beruf, einschneidende Erlebnisse und andere wichtige biografische Elemente. Vor dem Hintergrund dieser Kenntnisse ist es dem kompetenten Pflegepersonal möglich, zielgerichtet und differenziert mit alten Menschen umzugehen.

Umso wichtiger ist es, dass unser Pflegepersonal kompetent und motiviert ist. Denn beim psychobiografischen Pflegemodell nach Böhm geht es vor allem darum, dass die Bewohnerinnen und Bewohner ihr Selbsthilfepotenzial nutzen. Die alten Menschen sollen aufleben und nicht nur aufgehoben leben können.

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Aktuelles

Das ändert sich mit der Pflegereform 2017

Ab Januar 2017 gilt im Bereich der Pflegeversicherung ein neues Gesetz: das Pflegestärkungsgesetz II. Eckpfeiler ist die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, der sich stärker an den Bedürfnissen jedes einzelnen Menschen, an seiner individuellen Lebenssituation und an seinen ganz persönlichen Beeinträchtigungen und Fähigkeiten orientiert.

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Der Kollege mit der feuchten Nase (Beitrag des SWR)

Es ist ein echter Schnuppertag für Mensch und Tier: Einmal im Jahr dürfen Herrchen und Frauchen ihre Hunde mit zur Arbeit bringen. Auch in diesem Jahr nahmen wieder viele Firmen an der Aktion "Kollege Hund" teil. Doch es gibt auch Unternehmen, wo Hunde jeden Tag erlaubt sind. Einer dieser Betriebe ist die Seniorenresidenz Sankt Antonius in Linz am Rhein (Kreis Neuwied). Bis zu sieben Mitarbeiter bringen dort jeden Tag ihre Tiere mit.

Den Artikel des SWR zu diesem Thema finden Sie unter: http://www.swr.de/landesschau-rp

Den Film des SWR zu diesem Thema finden Sie unter: Der Kollege mit der feuchten Nase (3:47 Min.)

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